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bekay de » "Dieser Film ist überbewertet."  
 

Mittwoch, der 28.01.2009, 16:03
"Dieser Film ist überbewertet."

Aussagen der Geschlossenheit - Teil I

Ich sehe mich genötigt, ab nun in unregelmäßigen Abständen von Sätzen zu sprechen, die man so oder ähnlich im Internet lesen und in Zwiegesprächen hören kann und deren Zweck Machtausübung und Konversationsabtötung ist. Vielleicht nicht einmal bewusst genutzt, sind sie Zeichen einer Diskussionskultur, die nicht auf Offenheit und den Versuch, sich gegenseitig zu verstehen, abzielt.

Wenn nun jemand meint, ein Film sei überbewertet, dann kommt darin nicht allein zum Ausdruck, dass seine Meinung signifikant vom von ihm wahrgenommenem Mittel der anderen Meinungen abweicht, sondern dass seine Meinung die Übermeinung ist - die Richtschnur und das Maßband. "Überbewertet" - ein schrecklich anmaßendes Wort, dass den Anderen ihre Erfahrung streitig machen will. In sich hat es weitere geheime Nachrichten decodiert, die ungefähr wie folgt lauten: "Ätschibätsch, ihr habt alle unrecht..." / "Ich bin der Größte und Richtigste!" (Bei Männern bedeutet es oft weiterhin: "Ich hab' den Größten!") / "Gespräch unerwünscht, ich weiß es schließlich eh besser."

Alternative Ausdrücke, die hingegen nicht so verheerend herrisch sind, könnten lauten: "Ich verstehe nicht, was alle so toll daran finde..." / "Die anderen Meinungen verwirren mich..." Ehrlich gemeint, sind diese Sätze Keime der Annäherung. Einerseites betonen sie die tiefen Gräben, die da zwischen den Menschen bestehen. Anderseits wird dadurch nicht behauptet, dass es sich auf der einen oder anderen Seite besser leben ließe. Es wird diskret die Möglichkeit geschaffen, sich zu erklären, und im gleichen Moment die Bereitschaft signalisiert, sich andere Erklärungen anzuhören. D.h. ja nicht, dass es dann auch zu diesem Austausch kommen muss. Geschweige denn, dass er einfach und von Erfolg - im Sinne von gegenseitigem Verständnis - gekrönt ist. Solange jemand nicht impliziert, dem anderen fehle der Stein der Weisen (in der Männer-Domäne zwei Steine, meist auch als "Eier" bekannt), steckt man bereits nicht mehr allzu tief im Sumpf des Dogmatismus und der Voreingenommenheit. Das "Andere" hingegen wirklich nachzuvollziehen, wird wohl bei aller Schwierigkeit überaus belohnend sein. Ich kann es nur vermuten, bin schließlich auch nur ein Mensch, der wie jeder Mensch den Makel hat, immer zu meinen, er habe Recht. Bedenkt jedoch: Die eigene Meinung ist stets überbewertet...

Selbsttest: Puh, Glück gehabt!

(in: leseEcke, flimmerWelt, ganzPrivat) Kommentare (7) / Comment?


Kommentare

An eine Konversationstötung denke ich dabei gerade nicht. Es kann doch auch eine Art Startschuss für die nun folgende hitzige Debatte sein.

Also ich finde, dass dieses Thema von dir eindeutig überbewertet wird.

... und ja richtig, ich hab' den Größten!

GiZMoR am 28.01.2009 um 17:37

Ich liebe es, wenn frisches Anschauungsmaterial so bereitwillig die Hüllen fallen lässt...

Wie man sehr gut an dir sieht, tendiert das Wort eher dazu, Polemiken und verbitterte Streitereien nach sich zu ziehen (weswegen ich auch nicht auf dich und deine Fleischpeitsche eingehen werde ), als wirklich zum Gespräch einzuladen. Das gesagt, kann ich natürlich nicht widerlegen, dass das Wort vielleicht auch einmal zu etwas Gutem geführt hat. Ich persönlich versuche es wenig zu benutzen, wegen besagten zahlreichen Implikationen, die darin stecken und immer mitsprechen.

Als Scherz hingegen (Atmen ist überbewertet) mag ich es durchaus.

bekay am 28.01.2009 um 18:10

Das hast du nun davon, dass du in bestimmten Foren über Filme diskutieren willst, wo gar nicht über Filme diskutiert werden will (immerhin geht es dort ja um facts!): ein paar erleuchtende Gedanken über den verzweifelten Versuch einiger, Diskursmacht zu bekommen (oder sie sich durch ihnen selbst nicht bewusste rhetorische Tricks anzumaßen), wo sie schlicht keine haben.

Schöner kleiner Text. Danke. Bin auf die Fortsetzung(en) gespannt.

Stefan am 29.01.2009 um 05:47

Wenn ich das wort überbewertet höre, dann muss ich an PeterLicht und sein "Lied gegen die Schwerkraft" denken ...

Claudia am 29.01.2009 um 10:37

Ich denke gerade zwanghaft darüber nach, ob ich das böse Wort "überbewertet" schon mal als Diskussionskiller eingesetzt habe. Hab ich? Ich kann mich nicht erinnern. Was ist dann die nächste Aussage der Geschlossenheit? Halten wir uns nicht (fast) alle für Übermenschen mit Übermeinungen? Wer will denn schon über Filme diskutieren? Hier zählt nur schwarz oder weiß und nicht grau. Und immer die Intention beachten....

antje am 29.01.2009 um 13:27

@Stefan: Über eine Liste solcherlei Sentenzen verfüge ich aber schon seit einiger Zeit, stets erweitert mit dem Ziel vor Augen, zu denen ein bissl was zu schreiben. Ja, aber die Motivation kam jetzt erst.

@Claudia: http://www.poplexikon.com/bands/peterlicht/videos/lied-gegen-die-schwerkraft ...

@antje: Nein, du setzt sowas nicht ein. Du findest ja auch wenig schlecht... viel eher ist das Wort geeignet, gegen dich eingesetzt zu werden. Ja, ja, die Intention - die kriegt 'nen extra Kapitel!

bekay am 29.01.2009 um 13:51

das is komisch was poplexikon da gemacht hat, nur die ersten 30 sekunden sind das "lied gegen die schwerkraft"!
hier in voller länge anzuhören:
http://www.roccatune.com/de/vierzehn_lieder_1.htm

Claudia am 31.01.2009 um 11:15


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