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bekay de » Wenn Fans zu Rassenkundlern werden...  
 

Mittwoch, der 25.03.2009, 18:03
Wenn Fans zu Rassenkundlern werden...

Derzeit darf man einer recht faszinierenden und mir unbegreiflichen Bewegung zuschauen, einer Protest-Bewegung von Fans, die die Casting-Entscheidungen der Realverfilmung der Zeichentrick-Serie Avatar - The last Airbender als rassistisch empfindet. Um das so kurz als möglich zu umschreiben, worum es bei den Protesten geht: es gibt in der Welt von Avatar 4 Völker oder sagen wir: Kulturkreise, die je von verschiedenen Merkmalen wirklicher Ethnien unserer Erde beeinflusst sind. Der Water Tribe beispielsweise erinnert sowohl von der Lebensweise als auch von körperlichen Merkmalen an arktische Völker. Die Fire Nation ist stark vom japanischen Kulturkreis inspiriert. Nun wurden die Hauptrollen der Serie größtenteils mit "Weißen" besetzt, was starken Unmut der Fans nach sich zog. Dieses Video fasst das Fan-Argument übersichtlich zusammen, um das sich mittlerweile auch Webseiten gruppieren. Der eigentliche Rassismus, so drängt sich mir mittlerweile auf, ist wohl bei diesen Fans zu finden - es ist einer der ganz infantilen Art. Infantil, weil sie nicht einmal bemerken, wie sie phänotypische Merkmale zu Wesenheit hochstilisieren. Meine kurze Gegenargumentation:

(1) Die fiktive Welt von Avatar ist nicht zu verwechseln mit der realen Welt. (Das scheint wohl das Hauptproblem vieler Fans.) Selbst wenn die fiktiven Elemente Parallelen zu wirklichen Elemente aufweisen, so sind sie doch nicht diese wirklichen Elemente. Ein fiktionales Erzählwerk, wie Avatar es ist, hat keine direkte Beziehung zur außerfilmischen Wirklichkeit. Ein "Water Tribe" und eine "Fire Nation" sind originäre Kategorien des Erzählwerkes, sie sind nicht - bei aller Inspiration, die sie durch die reale Welt erfahren haben - ein "Inuit-Stamm" oder "Japan". Das angeblich diskriminierende Moment der Casting-Entscheidungen gibt es gar nicht: Da die Figuren in der dargestellten Welt zu einer Ethnie sui generis gehören, ist es einerlei, ob sie nun von einem Japaner, Mongolen, Afroamerikaner oder "Kaukasier" gespielt werden. Wenn Avatar vielleicht eine pädagogische oder dokumentarische Komponente hätte, die uns über andere, reale Lebensweisen aufklären will, könnte man das vielleicht zum Thema machen...

(2) Bei allem Verständnis, die ich für Forderungen nach visuellen Ähnlichkeiten zwischen Realverfilmung einer Zeichentrickvorlage mitbringe, ist die Kaprizierung auf "äußerliche Rassenmerkmale", die einige Fans hier betreiben, nicht nur peinlich, sondern äußerst bedenklich. Wenn sich das Mädel im oben verlinkten Video anfängt, im Gesicht zu betatschen, um Unterschiede in Hautfarbe, Nasenform usf. zu unterstreichen, so fühle ich mich jedenfalls eher in ein Rassenkunde-Seminar im Dritten Reich versetzt. Das Problem ist dabei ja nicht der körperliche Unterschied an sich - der ist sowohl in der Serie selbst zwischen den Völkern, als auch zwischen dem Erscheinungsbild der Zeichentrickfigur und ihrem entsprechendem Schauspieler-Pendant vorhanden, ohne Frage. Das Problem ist die Betonung, dass dieser Unterschied von größter Bedeutung für die Darstellung einer Figur wäre. Vorlagentreue ist doch eher anderswo zu suchen: Bei den Figuren in Verhaltens- und Kleidungsmustern, Mimik und Gestik, Kampfstilen, bei den Völkern besonders in der Architektur und diversen anderen kulturellen und gesellschaftlichen Aspekten. Hier spielt sich doch das Gros des Gerechtwerdens ab, sowohl der spezifischen Besonderheit und Originalität der Serie als auch ihrer kulturellen Anspielungen auf die wirkliche Welt.

Was die Hauptfiguren angeht, dass sage ich sowohl als Fan - ja, genau - der Zeichentrickserie als auch des Regisseurs, dem die Realverfilmung anvertraut wurde: Ich will ihre Eigenart und ihr Gemüt umgesetzt wissen, nicht ihre Hautfarben, Augenabstände, Nasenformen, Hinterkopfwölbungen oder irgendwelches anderes Zeug aus der Mottenkiste der Rassentheorie...

Link(s) Cinefacts-Diskussion
(in: flimmerWelt, ganzPrivat) Kommentare (7) / Comment?


Kommentare

Ich will erst einmal einen Trailer sehen, bevor ich wirklich über den Cast meckere...

Es ist doch oft so, dass man im Vorfeld denkt - doof gecastet - und dann im Film von Gestik und Mimik begeistert ist. (Ich erinnere mich mit Schrecken und Grauen daran, wie ich zunächst über die Besetzung von Daniel Craig gedacht habe - )

Und du hast völlig Recht - mittlerweile nimmt diese Rassediskussion sehr bedenkliche Züge an.

antje am 26.03.2009 um 12:39

Deine PC ist in einer verzwirbelten Art und Weise schon wieder absolut Non-PC.... faszinierend.

Mr. Vinnie Vega am 26.03.2009 um 14:44

Wenn ich so drüber nachdenke, bin ich eigentlich überhaupt nicht politically correct... diesen armen Fans Rassismus vorzuwerfen ist auch nur eine sehr polemische Wendung. Da mich das ja weiter beschäftigt hat, ist mir mittlerweile aufgefallen, dass der Vorwurf der Fans gegenüber dem Studio nur ein sehr beleidigter Ausdruck des gekränkten Fan-Herzens ist, das jegliche Änderung zur Vorlage eben hart bestraft. Dass diese typische Reaktion mit dem derzeitigen Treiben aber einen eher unangenehmen und vollkommen sinnbefreiten Höhepunkt erreicht hat, dazu will ich stehen. So einer wie ich, der sich durchaus auch als (gemäßigter) Fan bezeichnet, muss gegen solche Fan-atismen auch einmal vorgehen.

@Antje: "Besetzung von Daniel Craig" ... als was? Gut, mittlerweile wird dich das bestimmt nicht mehr interessieren.

bekay am 26.03.2009 um 15:06

AH, ein Adaptation-Thema ... da gibt es doch immer Befürworter und Gegner ... etwas zu adaptieren ist eben nicht immer leicht, vor allem, wenn die Vorlage so viele Fans hat. Aber es geht eben nicht nur um nur fidelity und faithfulness!!! Auch wenn das 12jährige youtube Mädchen nicht verstehen wollen/können!
(sorry, schreib grad ne Hausarbeit über Adaptation - sehr interessantes Thema, also Adaptation an sich, weniger die Hausarbeit!)

P.S. hab letztens Lady in the Water gesehn! Nähere mich M. Night wieder etwas an ... nachdem er mich (sorry, wenn ich dir das so sagen muss) nach The Village endgültig verloren hatte!

Claudia am 27.03.2009 um 10:28

Du kannst mir alles so sagen, wie du willst - ich muss es bloß nicht verstehen. Wie Shyamalan nach THE VILLAGE einen verliert, bleibt mir gänzlich unklar. Dass er einen mit LADY IN THE WATER zurückholt, verstehe ich noch weniger. (Mit dem hat er mich, teilweise jedenfalls, verloren.) Probe aufs Exempel ist eh THE HAPPENING - der Hassfilm des neuen Jahrtausends, ein Film, der so viel Widerstand hervorgerufen hat, dass er zur leidigen Stellungnahme zwingt. Dieses ewige Positionieren, schade eigentlich...

bekay am 27.03.2009 um 11:58

@ Claudia: Die HA möchte ich unbedingt mal lesen. In der Frage muss ich mich dringend mal weiterbilden. (Für Dinge, die ich nicht zwingend machen muss, interessiere ich mich sehr.)

@Benni: Ich mochte sowohl The Village als auch Lady in the Water. Ich mochte sogar Signs. Obwohl ich The Happening nie gesehen habe...denke mal, den werde ich auch gut finden. (Prognose)

antje am 27.03.2009 um 12:46

dass Lady in the Water mich zurückgeholt hat, hab ich nich gesagt, sondern, dass ich mich mr shyamalan wieder annähere. immerhin will ich den avatar film auch gern sehn!
aber man muss ja auch nich jeden film eines regisseurs gut finden!

Claudia am 27.03.2009 um 16:52


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