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bekay de » Unbreakable: Überblick über die Filmkritik  
 

Sonntag, der 10.01.2010, 17:18
Unbreakable: Überblick über die Filmkritik

Bereits mit UNBREAKABLE, Shyamalans Film nach dem Überraschungshit THE SIXTH SENSE, begann sich die Filmkritik zu spalten. Von 24 Kritiken* sind 58% positiv, 17% unentschieden und 25% negativ. Der Regisseur war in der Gunst der Rezensionskaste gesunken. Traurigerweise hatten die wenigsten Kritiker genug Selbstreflexionskraft, die schwierige, ja fast unmögliche Lage des Regisseur nach seinem sowohl kritischen als auch finanziellen Erfolg zu erörtern. Wie Manfred Müller so schön schrieb: "Diesem Vergleich muss sich Shyamalan stellen allein auf Grund der zeitlichen und auch stilistischen Nähe beider Arbeiten, auch wenn das die eigentlichen Qualitäten seines Films verdeckt." Vor Enttäuschtsein im Angesicht des Vorgängerfilms vergaßen einige Kritiker wohl, sich UNBREAKABLE etwas genauer anzuschauen. Der Vergleich mit THE SIXTH SENSE ist allgegenwärtig und das durchgängige Motiv der Kritiken.

Was verbindet nun eigentlich beide Filme? (Einmal abgesehen vom Hauptdarsteller Bruce Willis.) Beide kreisten "um die Wahrnehmung und um die unterschiedlichen Arten, sie zu erfahren" (Sterneborg, SZ), beide spielten im "Reich des Übersinnlichen" (Müller, Spon) und hätten "die spielerische Verwirrung der Realitäts- und Genreebenen" (Kohler, FR) gemein, beide seien "supernatural thriller with a twist" (Bradshaw, The Guardian), und mit einer "deadpan melancholy" getränkt (Michtell, NYT) - und hier wie da gehe es um die Selbsterlösung einer Figur, worauf besonders die deutsche Presse, allen voran film-dienst, ein Augen geworfen hat. Für manch einen legten diese Ähnlichkeiten die Vermutung eines "Copycat-Films" (Turan, Los Angeles Times) nahe, für andere war die Fähigkeit, das Übernatürliche im und aus dem Alltäglichen entstehen zu lassen (Schickel, TIME), nun schon zu einem Stil & Markenzeichen Shyamalans geronnen.

Was jedenfalls stark auffällt, sind zwei ganz neue Aspekte, auf die die Filmkritik sehr aufmerksam ihr Auge gelegt hat: Die Formalästhetik und Philadelphia als Setting. Die Kritiker überschlugen sich mit teils sehr präzisen Beschreibungen der außergewöhnlichen, für Hollywood untypischen visuellen Mittel: Seien es die auffälligen Point-of-View-Shots, die langen Plansequenzen, die Auflösung des Schuss-Gegenschusses oder die komischen Kamerawinkel und mittleren bis weiten Einstellungsgrößen bei Dialogsequenzen. John Atkinson behauptete, diese Bild-Ästhetik wäre "for no good reason" und nannte als Beispiel eine Szene, die fast komplett als Reflektion in einem Fernseher gezeigt wird. Michael Kohler in der Frankfurter Rundschau hätte ihn eines besseren belehren können: Sehr genau beschrieb er die Spiegelsequenzen im Film und deutete sie souverän als Sinnbilder der - ja, eben! - Glasknochen-Krankheit der Figur des Elijah Price (Samuel L. Jackson). Denn gerade in den Flashbacks, die uns in seine Vergangenheit führen, sind die Spiegel-Einstellungen derart dominant. Anhand solcher Befunde will es mir einigermaßen schief vorkommen, dass Rüdiger Suchsland (einmal mehr in unverkennbarem Husch-Husch-Stil) Shyamalan das "Prinzip, alles zu sagen, statt zu zeigen" hinterherdichtete und Helmut Merschmann in der epd Film irgendetwas davon schrieb, dass der Fortgang der Geschichte nur im Dialog stattfände. Fehldiagnosen par excellence! Nun zu Shyamalans Heimatstadt, der Stadt, in der er aufgewachsen ist: Philadelphia. Hier war man sich eigentlich einig, dass das Netz zwischen der unheimlichen Atmosphäre seiner beiden Mystery-Filme und der eigenständigen Architektur Phillys ("verwinkelte, rotbraune Backsteinbauten, das bedrohliche Pathos neogotischer Architektur", Pauli, Focus) sehr eng geflochten ist.

Die eigentlichen Spalter-Themen waren (1) die gewöhnungsbedürftige Entscheidung, eine Superhelden-Origin in einer so lähmenden, ernsten und pessimistischen Art zu erzählen und (2) der Plot-Twist.
(1) Wie uns der unter dem Kürzel apl (aller Wahrscheinlichkeit nach Andreas Platthaus) firmierende Autor in der DVD-Rezension zu UNBREAKABLE in der FAZ mitteilt, handelt es sich bei dem grundlegenden Plot um eine Origin Story, eher den Amerikanern und weniger den Deutschen aus Superhelden-Comics bekannt. Einige Filmkritiker fanden solch eine Geschichte einfach zu kitschig und abgedroschen, so dass ihnen die Ernsthaftigkeit der Präsentation und der Filmfiguren nur noch lächerlicher erschien: "Willis is almost morbidly withdrawn as the security guard, though his underplaying isn't enough to divert us from the corniness of his secret potential." (Anthony Quinn, The Independent) Das kann man auch anders sehen, beweist Thomas Wirtz' schöne Kritik in der FAZ. Schon fast müßig erklärt er die "maßlose Zeitvernichtung" in der ersten Hälfte des Films als perfektes Darstellungsmittel des "langsam dahin Vegetierenden", der "wandernden Schlafpille", des "depressiven Kleinbürgers". Die Entdeckung der Superhelden-Kräfte sei der schwere Weg der Selbstfindung, den David Dunn (Bruce Willis) zu gehen habe.
(2) Der Plot-Twist von UNBREAKABLE ist ebenfalls sehr schwer außerhalb des Subtextes der Comic-Mythologie zu verstehen, insofern er wohl auch eher Subtext-Twist genannt werden sollte. Auf einer reinen Handlungsebene wirkt er gewiss eher effekthascherisch. Denn durch ihn werden die Figuren des Elijah Price und David Dunn endgültig zum typischen Comic-Sujet transformiert: Zum Superhelden und seiner Nemesis, seinem Erzfeind, dem Superschurken. Die Kritiker-Reaktionen fielen dementsprechend sehr gemischt aus: enttäuscht, gleichgültig, erbost, überrascht, erfreut. Dass man den Twist auch überhaupt nicht erwähnen muss und genug zum Film sagen kann, weil er auch schon so faszinierend genug ist, bewies Anke Westphal in der Berliner Zeitung.

Noch eher am Horizont leuchtete der Mythos von Shyamalans Exentrik - und die verhängnisvolle Verwechslung eines Films mit seinem Regisseur, die damit einhergehen wird. Urs Jenny war im Spiegel derart in seinem Intentionalismus verfangen, dass er den Film vor lauter Shyamalans nicht mehr sehen konnte.

Ich will mit dem Kritiker David Denby vom New Yorker schließen, der anscheinend eine neue Art Kino-Physiognomik begründen wollte: Oder wie anders kann man sich erklären, dass Bruce Willis' Kopf in UNBREAKABLE wie ein "enormous, melancholy egg" aussähe oder er Haley Joel Osments "extraordinary face" in THE SIXTH SENSE mit einer beängstigenden Akribie beschrieb: "pale, with a pointed chin, a tiny mouth, with a curling upper lip, and eyes that go red at the rims with fear." Na, so lange Shyamalans Filme zu solchen Beobachtungen einladen...


* film-dienst, epd Film, Schnitt, 2x FAZ, SZ, SZ-Extra, Der Spiegel, Spiegel Online, taz, Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung, Focus, artechock, kamera.co.uk, Sight & Sound, The Guardian, The Observer, The Independent, TIME, New York Times, Los Angeles Times, 2x Washington Post, The New Yorker

(in: filmBlog, flimmerWelt, studierStube) Kommentare (4) / Comment?


Kommentare

Ich stimme dir in allen Aspekten zu und freue mich über deine gelungenen Analysen. Aber - ist Urs nicht ein Männername?

antje am 10.01.2010 um 17:32

Das kommt davon, wenn man den Nachnamen (Jenny) zu ernst nimmt.

bekay am 10.01.2010 um 17:39

everything many of us do consists of law along with every determination we make somehow or yet another law can be involved. In this specific paper We are discussing precisely what law is short for and which laws along with role play inside my present trot.

http://www.keukengilde-flevola am 08.12.2014 um 08:50

Daily Telegraph Online, 2x The Guardian, The Observer, 2x The Independent, TIME, New York Times, Los Angeles Times, 2x Washington Post, The New Yorker

http://www.revenus-a-domicile.fr am 11.12.2014 um 07:58


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