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bekay de » The New World  
 

Dienstag, der 12.01.2010, 00:28
The New World

Was heißt es wohl, an einem Set von einem Malick-Film zu sein?, frage ich mich nach der einmaligen Erfahrung seines letzten Filmes THE NEW WORLD. All seine Filme sind sonderbare Reisen.

(Regieanweisung) "Ja, Colin, jetzt gehe einfach da lang und schau in den Himmel."
"Wo lang genau?"
"Oder besser: Du schaust dir einfach diesen wunderschönen Baum an und sagst nichts."
"Also jetzt zum Baum?"
"Nein, warte! Lauf einfach durch diese hohen Gräser und starre mit großen Augen durch das Dickicht."
"Und dann?"
"Nichts..."

Gar nichts. Außer einer Figur, die mitten in der Natur steht. Terrence Malicks Filme sind erst einmal genau das: Filme über Personen, die in der Natur stehen, durch die Natur gehen, mit der Natur arbeiten - die ihre Umgebung erfahren. Und der Zuschauer ist immer dabei, die Kamera kommt den Gesichtern und Körpern nahe, zu nahe, berührt sie fast, dann bewegt sie sich wieder von ihnen fort, nimmt Landschaften ins Blickfeld, wie sie schöner nicht sein könnten. Der Schnitt ist elliptisch und radikal, reißt uns hin und zurück in der Zeit, überspringt Sekunden, Minuten, Tage, Monate, Jahre mit Leichtigkeit. Alles ist im Fluß - und wir werden mitgerissen. Erfahrungsschnipsel leuchten vor unseren Augen kurz auf, flackern, vergehen. Diese Technik bar jeder erzählerischen Konvention intensiviert das Gefühl, etwas zu beobachten, was wir sonst selten in einem Film sehen: das Erleben der Welt. Oder eben: der neuen Welt. Jedenfalls in diesem Versuch, die Pocahontas-Geschichte neu zu erzählen. "Versuch", weil ich nicht weiß, inwiefern Malick hier bei den historischen Fakten der "westlich kultivierten" Indianer-Prinzessin bleibt. Sei es drum - so wichtig will es mir nicht erscheinen. Diese Geschichte nutzt Malick einmal mehr dazu, darüber zu meditieren, wie der Mensch und seine Umgebung aufeinander wirken, zur einen Seite Gedanken formend, zur anderen Natur verändernd. Ich muss hier auch abbrechen, so gewaltig will mir Malick erscheinen. Ach ja, eines will ich noch sagen: THE NEW WORLD ist ein Liebesfilm. Der wundervollste, den ich in den letzten Jahren gesehen habe.



(Ach ja, dieses eine noch: So geht das, Herr Cameron!)

Link(s) IMDb-Link DVD auf Amazon.de
(in: filmBlog) Kommentare (10) / Comment?


Kommentare

Das wurde aber auch Zeit. Endlich findet sich Jemand, der dieses Film genauso mag wie ich.
Die Kameraführung - der Wahnsinn. Es ist beinahe so, als könnte man das Gras berühren. Und der Ton? Unglaublich realistisch.
Ich hab den Film jetzt schon xmal gesehen und entdecke jedes Mal ganz neue faszinierende Details.
Ich find`s gut, wenn man einfach in die Bilder versinken kann...ohne groß auf Handlung achtgeben zu müssen.
(Ich habe keine Ahnung, ob die Geschichte historisch korrekt erzählt wird - ist aber (wie du gesagt hast) völlig egal.)

Ach ja - und es kann auch nicht schaden, wenn Christian Bale mitspielt.

antje am 12.01.2010 um 11:43

Nein, du bist nicht allein. In diversen Dekaden-Besten-Listen (00er Jahre des 21. Jahrhunderts) taucht er übrigens auch auf. Zum Beispiel auf Platz 9 der Cahiers du Cinéma: http://www.cahiersducinema.com/article1926.html

Oder auf Platz 2 der Online-Zeitschrift Reverse Shot, sogar mit einem schönen Text: http://www.reverseshot.com/article/2_new_world

Jetzt heißt es: Warten auf THE TREE OF LIFE. Ich will einen Malick endlich mal im Kino sehen!

bekay am 12.01.2010 um 11:58

"The New World is simply more than just a movie."
Stimmt - schöner Text.

antje am 12.01.2010 um 12:44

Disneys POCAHONTAS fand ich besser.

Mr. Vincent Vega am 18.01.2010 um 17:40

Verstehe ich.

bekay am 19.01.2010 um 09:57

Warum?

Mr. Vincent Vega am 20.01.2010 um 20:52

Weil du den Drang hast, provokativ zu sein... vielleicht?

bekay am 21.01.2010 um 12:07

Also rein von der Geschichte her ist POCAHONTAS nun wirklich die bessere Variation des Stoffes.

Aber natürlich ist THE NEW WORLD ein filmischer Malick-Traum durch und durch.

Mr. Vincent Vega am 21.01.2010 um 14:42

Ich kenne Disneys "Bearbeitung" nicht, aber wenn es ein normaler Disney-Film ist, erzählt er doch diese eine Geschichte, die jeder Disney-Film seit 50 Jahren erzählt, oder...?

Aber: Das ist ein Malick-Film! Was fällt dir ein, den mit dem Geschmiere von dieser Zeichentrick-Gesellschaft zu vergleichen?

Nee, mal ehrlich - hinkt da nicht die Vergleichbarkeit? Malick schafft ja in seinen Filmen in erster Linie eher Erfahrungsräume (aber erzählt natürlich auch etwas...), das ist ja eine ganz andere Ausgangsposition.

bekay am 23.01.2010 um 00:35

Daily Telegraph Online, 2x The Guardian, The Observer, 2x The Independent, TIME, New York Times, Los Angeles Times, 2x Washington Post, The New Yorker

http://www.francephilatelie.fr am 11.12.2014 um 07:57


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