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bekay de » Das Gekichere aus dem Jenseits  
 

Donnerstag, der 11.03.2010, 01:20
Das Gekichere aus dem Jenseits

Ich war mal wieder im Kino. Also in diesem dunklen Raum, in dem Menschen im Schutze der Dunkelheit meinen, ihre Mitmenschen belästigen zu können. Am Film konnte es nicht gelegen haben: Es war Peters Jacksons "Neuer". THE LOVELY BONES. Oder zu deutsch - da sich der morbide Titel wohl als unübersetzbar erwies - IN MEINEM HIMMEL. Auch wenn dieser gewisse Längen aufwies (jedoch keineswegs langweilig war), zeigte Herr Jackson geradezu beängstigenden inszenatorischen Perfektionismus, der keinen Grund bot, ihn anzukichern. Aber diese zwei Damen eine Reihe hinter mir kicherten und quatschten dummes Zeug vor sich hin. Dass sie während der Produktionslogos erst richtig loslegten, deutete bereits an, dass sie die ungeschriebenen Regeln des Kino offen missachteten. Als Jackson anfing, die Bedrohlichkeit des Serienkillers zwischen den Bildern zu inszenieren (die vorzüglichsten Szenen des Films, zwar klar überinszeniert, aber ausnehmend bedrohlich nichtsdestotrotz), kicherten sie und meinten gleichzeitig, dass dies ja "voll Psycho" sei. Da bestand schon eine gewisse Diskrepanz zwischen Reaktion und dem "Psycho"-Inhalt... oder war es ihre Bewältigungsstrategie für die spannenden Szenen? Dies vermag ich nicht zu beantworten. Jedenfalls ging das Geschnattere den ganzen Film über, mal leiser, mal lauter. Ich sagte nichts. Ich schwieg, das Gekichere aus dem Jenseits mal ausblendend, mal bewusst nachvollziehend - obwohl; im Ausblenden-Part bin ich nicht gut. Natürlich legte ich mir Aufforderungen zur Ruhe zurecht, mal bittend, mal aggressiv oder auch frech im Geiste vortragend. Mir war bewusst, dass es jedoch keinen Sinn machen würde, diese in den echten Kinosaal zu werfen. Stellenweise befanden sich die Damen in der Zone des "Point of no Return". Den kennen wir wahrscheinlich alle: Die Unangebrachtheit unseres Verhaltens in einer gewissen Situation feuert dieses unangebrachte Verhalten nur noch mehr an. Lach-Flash etc. Würde ich den Beiden von der Reihe hinter mir also klar machen, dass sie sich der Kinosituation unentsprechend verhalten, könnte dies Öl ins Feuer sein. Nun ja, wenn man seinen Wunsch mit einem gewissen gewaltätigen Potential vorträgt, kann dies Früchte tragen. Nun sollte man wissen, dass ich keine Angst einflöße. Weder will ich das, noch bin ich dazu geeignet. Doch meine ratioanlen Erwägungen, die ich hier rekonstruiere, hatten ihre Grenzen. Sie waren bei der letzten Suspense-Szene erreicht, in der die Spannung parallel mit dem Gekicher ins kaum Erträgliche stieg. Meine Herz raste jetzt, ich drehte mich um und fragte neugierig (etwas, dass ich vorher nicht im Kopf durchspielte): "Wollt ihr gehen?" Verduzte Gesichter. Ich darauf: "Gut, dann könnt ihr ja leise sein." Das wäre bestimmt viel eleganter gegangen. Aber ich mache das zu selten. Jedenfalls zeitigte es Wirkung. Nach einigem Geflüster im asozialen Wat-will-der-denn-Duktus wurde es endlich ruhig. Denn auch wenn ich Jacksons Strauß Buntes letztlich für etwas naiv, reichlich kitschig und wahllos zusammengewürfelt hielt, so verdiente er es trotzdem, in aller Ruhe geschaut zu werden...

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(in: filmBlog, ganzPrivat) Kommentare (7) / Comment?


Kommentare

Und nach dem Schauen? Oder noch zu fasziniert von Jacksons "beängstigendem inszenatorischen Perfektionismus"?

Mr. Vincent Vega am 11.03.2010 um 15:05

Ja, das ist schon das einzige, was wirklich hängen geblieben ist - die "Mords"atmo im Bunker. Und natürlich Jacksons Verzerrung des Kinderschänders ins Monströse, die so langweilig und menschenverachtend ist. Ansonsten will mir der ganze Film eigentlich als unspektakulär erscheinen. Und Wahlberg spielte toll - das muss ja mal gesagt werden, besonders wenn du es nicht so siehst
(Gut, ich könnte viele weitere kleine, gefällige Dinge aufzählen, aber der Film will ja offensichtlich zeigen, wie eine Familie mit dem Tod ihrer Tochter umgeht - aber tut es eben nicht...)

bekay am 12.03.2010 um 00:06

Bei so einer Situation bin ich leider nie dabei. Ich hätte die beiden Kichererbsen in Fetzen gerissen. Und auch noch Spaß dabei gehabt...

antje am 12.03.2010 um 19:32

Ich entschied mich gegen "The Lovely Bones" im Kino.

Dafür aber, als leidenschaftlicher Kinogänger, kann ich mich nur anschließen. Sogar in den kleinsten Programmkinos finden sich heutzutage irgenweche "erfahrene Kunstliebhaber", die es merken lanssen müssen, sie sind die 4. Person im Raum.
Und wenn man wie ich, bei einer solchen Intimität immer noch leiden will statt sich revoltieren, bleibt als einziger Aufruf zur Stille der Moment des Eisverkaufs in den Multiplexern.

Ciprian David am 14.03.2010 um 17:21

Ich glaube ja, dass man um solche Dinge kein zu großes Aufheben machen sollte. Das Ruhig-Sein im Kino ist eine zur Hollywood-Industrialisierung parallel ablaufende Konditionierung des Zuschauers. Es ist durch und durch mainstreamig. Auch wenn ich selbst die Ruhe während des Films liebe, muss ich mich wohl damit abfinden, dass es andere Formen gibt, Film zu schauen. Es gab sie schon immer. Und das die von mir ausgiebig beschriebene Störung der Kinosaal-Ruhe ein nur aktuell auftretendes Phänomen sei, das glaube ich nicht. Das gab es schon immer.

bekay am 15.03.2010 um 00:55

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victoria secret uk online am 08.12.2014 um 08:32

Denn auch wenn ich Jacksons Strauß Buntes letztlich für etwas naiv, reichlich kitschig und wahllos zusammengewürfelt hielt, so verdiente er es trotzdem, in aller Ruhe geschaut zu werden...

http://www.castellodiborgomasino.it am 11.12.2014 um 07:54


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