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bekay de » The Village: Überblick über die Filmkritik  
 

Sonntag, der 25.04.2010, 14:01
The Village: Überblick über die Filmkritik

Mit THE VILLAGE hat sich Shyamalan die Gunst der Kritiker zurückerobert: Von 26 Kritiken* waren 62% positiv, 19% unentschieden und 19%, was man wohl als echte Steigerung zu SIGNS bewerten kann. Interessanterweise tat sich ein Spalt zwischen deutscher und englisch-sprachiger Kritik auf. Erstere nahm Shyamalans sechsten Film beinahe ausnahmslos positiv auf, wobei Andreas Maurers NZZ-Kritik aus dem Rahmen fiel. Im englisch-sprachigen Raum gab es schon mehr Häme nach bekannten Muster: "unintentionally comical" (Kevon Thomas, LA Times) lautete das Mantra. Ich glaube, ich muss meine Meinung zu einer Kritikerzunft, die meint hinter die Intentionen der Filmemacher schauen zu können, nicht weiter auswalzen...

Fast kein Kritiker ließ es sich nehmen, in die subtextuelle Struktur des Films vorzudringen und auf seine allegorische Qualität hinzuweisen: Ob nun direkt auf Bush und die Post-9/11-Ära schielend oder nicht, so wurde doch deutlich herausgearbeitet, dass dieser Film weniger Angst beim Zuschauer hervorrufen soll als vielmehr Angst als zentrales Thema hat. Denn die idyllische Gemeinschaft, von der er handelt, wird durch die Angst vor einem unsichtbaren und namenlosen Feind ("Those we don't speak of") zusammengehalten. "Doch die Idylle hat einen Preis: den der Unfreiheit." (René Classen, film-dienst) Es geht also um das delikate Verhältnis von Freiheit und Sicherheit, welches in den letzten Jahren auch in der realen Welt zusehends aus dem Gleichgewicht gerät. THE VILLAGE - das ist der Traum von absoluter Sicherheit. Dieser Traum wird von den Dorfältesten, die die Regierung darstellen, mit solch einem Fanatismus verfolgt, dass sie selbst den Mythos der "those we don't speak of" in die Welt setzten, ja sogar die Rollen dieser Dorf-Feinde spielen(!), um die Gemeinschaft zusammenzuschweißen. So fand David Kleingers in seiner Spon-Kritik "die Selbstverständlichkeit, mit der sich das tugendhafte Gemeinwesen im Belagerungszustand eingerichtet hat[,]" reichlich beunruhigend. Zwar in BILD nacheifernder Rhetorik-Armut, aber doch treffend beschreibt er das Dorf so, "als ob die Taliban mit den Teletubbies eine Landkommune gegründet hätten." Ich kann der selten aufscheinenden Ideologiekritik, die dem Film Konservatismus vorwarf, deshalb nur eine deutliche Absage erteilen. Würde man den Film als politische Parabel interpretieren, so gäbe Dorfpräsident Walker (William Hurt) "widersinnig einen sehr vertrauensweckenden Bush ab", so Susan Vahabzadeh in der SZ. Suchsland ergänzt auf artechock: "So sehr der Regisseur die Kraft der Liebe feiert, die alle Hindernisse überwinden kann, viel stärker noch glaubt er an den Nutzen von Geheimnissen, von Trug und Täuschung. Aufklärung, Wissen und Wissenschaft, dies macht Shymalian unmissverständlich klar, schade dem Zusammenleben der Menschen." Der Handlungsverlauf des Films deckt deutlich das Gegenteil auf: Kontrollregimes und auf Sicherheitslogik aufbauende Gemeinwesen sind zum Scheitern verurteilt - die absolute Sicherheit gibt es nicht! THE VILLAGE ist eine "Parabel über ideologische Manipulation und die Effizienz der Angst als Instrument der Macht." (Guido Kirsten, taz)

Die Zusammenarbeit mit dem Stamm-Kameramann der Gebrüder Coen, Roger Deakins, war einigen Kritikern wohlwollend aufgefallen, wie überhaupt die formalästhetische Strenge und Schlichtheit des Films positiv Anklang fand: "THE VILLAGE kommt in seiner stilistischen Präzision dem großen Vorbild Hitchcock sehr nahe", schreibt Anja Marquardt. Die englisch-sprachigen Kritiker scheinen mir aber stets etwas präziser in ihrer Bezugnahme auf die Visualität, wie z.B. Jonathan Romney in dieser The Independent Kritik: "The film is shot with bracing severity by Roger Deakins, with characters often observed from a distance or through the open doorways of darkened rooms."

Das Wort Auteur (oder der Bergiff, den man darunter versteht) fiel in Zusammenhang mit Shyamalan verhältnismäßig oft. "His auteur status is steadily growing", schrieb Ben McCann in seiner kamera.co.uk-Kritik
. Shyamalan sei ein "Autorenfilmer" (Wolfgang Fuhrmann, Berliner Zeitung) und ein "Meister seiner Zunft" (Andreas Platthaus, FAZ). In diesem Zusammenhang wurde auch sein virtuoser Umgang mit den Genres gelobt - sein unkonventioneller Umgang mit bekannten Handlungsmustern mache klar, dass es ihm primär gar nicht darum ginge Genre-Filme zu drehen. Dies führe natürlich dazu, dass Erwartungen unterlaufen und Zuschauer vor den Kopf gestoßen werden (vgl. Marquardt).

Damit wären wir vielleicht auch beim herausstechendsten und vielleicht am meisten beachteten Aspekt von THE VILLAGE: dem Plot-Twist. Zuerst muss ich mich enttäuscht zeigen, dass die meisten Kritiker von diesem nur in der Einzahl sprachen. Ich habe nur eine handvoll Kritiken entdecken können, die erwähnten, dass es (min.) zwei einschneidende Wendungen der Handlung gibt. Somit ist es auch ziemlich schwer, die Reaktionen auf "den Plot-Twist" auszuwerten, weil einem der Bezugspunkt fehlt. Jedenfalls blieb die Erwähnung weitestgehend auf unanalytischer Ebene, hier und da wurde auf den Zuschauer abgestellt: "Spätestens nach dem dritten Akt[...] will die eine Hälfte des Publikums aufspringen und applaudieren, während die andere sich betrogen fühlt und wütend aus dem Saal stürmt." (Daniel Bickermann, Schnitt) Eigentlich sollte es sich weniger darum drehen, ob die Schluss-Pointen überraschen oder nicht (was nämlich, wie Michael Kohler in der Franfurter Rundschau spitzfindig anmerkte, zu einer "sportiven Rezepeption" führt), sondern vielmehr, was sie bedeuten. Kohler meinte dann auch, die Schlusswendung entspäche eher der einer literarischen Novelle. Es mag schon verwundern, dass alle Kritiker um die allegorische Qualität des Films herumtanzten, aber die wenigsten seine Plot-Twists auf jene bezogen: Denn die erste Wendung demaskiert das Dorf als Kontrollregime, das den angeblichen Terror von Außen selbst produziert, und die zweite verleiht dem bisher Gesehenen eine geradezu erdrückende Aktualität erhält. Shyamalan somit des Ideen-Klaus bei Rod Serling (genauer: der Twilight-Zone-Episode "A Hundred Yards Over the Rim") zu bezichtigen, wie es z.B. Stephen Hunter in der Washington Post tut, ist absurd: In besagter Episode geht es um eine Zeitreise, in THE VILLAGE um ein soziales Experiment in der Jetzt-Zeit.

Interessantes zum Schluss: Die gegensätzliche Betrachtung der Inszenierung der Liebe - "Das Problem des Films besteht leider darin, dass diese Liebe eher intellektuelles Konstrukt bleibt statt sich emotional mitzuteilen" (Classen) VERSUS "der Film enthält gleich zwei der schönsten Liebeserklärungen, eine komisch, eine herzzerreißend" (Platthaus). Und während sich einige englisch-sprachige Kritiker über die gespreizte Ausdruckswesie im Dorf lustig machten, gingen andere mit diesem sprachlichen Aspekt sehr viel subtiler um: "There's something altogether artificial, almost Brechtian, about the whole set-up, especially with the cast's somewhat theatrical delivery of their ostentatiously archaic dialogue" (Romney) & "those we do not speak of—a clever locution on Shyamalan’s part, because although its archaic courtesy is designed to fend off the very thought of aggressors (here, in this peaceful place?), you can also imagine it on the lips of a ruling class politely disdaining lesser souls." (Anthony Lane, The New Yorker)... eine Chiffre demzufolge.


* film-dienst, epd Film, Schnitt, FAZ, SZ, Der Spiegel, Spiegel Online, taz, Frankfurter Rundschau, Tagesspiegel, NZZ, Focus, 2x artechock, kamera.co.uk, Sight & Sound, Daily Telegraph Online, The Observer, 2x The Independent, New York Times, Los Angeles Times, 2x Washington Post, The New Yorker

(in: filmBlog, leseEcke, studierStube) Kommentare (16) / Comment?


Kommentare

http://www.f-lm.de/2004/07/30/things-i-don%E2%80%99t-speak-about/

*räusper*

http://www.f-lm.de/?s=Shyamalan

*hust*

Stefan am 25.04.2010 um 17:02

Stefan, es geht mir ja um wirkmächtige Diskurse - und nicht um qualitativ hochwertige!

bekay am 25.04.2010 um 17:56

Wie misst man denn ob ein Diskurs wirkmächtiger ist als der andere?

Stefan am 25.04.2010 um 19:13

Pi mal Daumen.

Nein, eigentlich ging es eher darum, einen groben Schnitt durch die größeren Tages- und Wochenzeitungen (denen man wohl Wirkung unterstellen darf) zu erhalten. Reine Online-Publikationen unterlagen purer Selektivität und stellen sowieso die Ausnahme dar. Warum mir F.LM da nicht einfiel, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Nimm's nicht persönlich, bitte!

bekay am 26.04.2010 um 00:36

Gut, das verstehe ich. Meine Frage war auch nicht als beleidigte Provokation gemeint, sondern weil ich in meiner Diss ja das selbe Problem hatte: Welche Quellen sind auszuwerten. Ich habe das Pferd dort aber anders herum aufgezäumt: Ich habe geschaut, welche Diskurse am häufigsten bedient wurden und habe diese dann als Stränge innerhalb aller möglichen Medien aufgegriffen.

Mit der Quantitäts-basiertenen Vorabselektion kommt man nämlich nicht sehr weit, wenn man erst einmal weiß, dass z.B. die "District 9"-Kritik einer größeren Filmzeitschrift mit Auflage von ca. 8.200 Druckexemplaren mit einem Webmagazin nicht mithalten kann, wo meine "District 9"-Kritik bis heute 17.500 mal aufgerufen wurde. (Wohlgemerkt: Da wurde mein Text direkt angesteuert, während die Zeitschrift "nur gekauft" wurde, ohne dass man weiß, ob der spezielle Text zu "District 9" dann auch gelesen wurde.)

Stefan am 26.04.2010 um 08:05

P.S. Bei F.LM wurde die "The Village"-Kritik 776 mal aufgerufen.

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Jens Hinrichsen schrieb, ob es einem passe oder nicht, "in jedem Shyamalan-Film steckt ein konservativer (bisweilen reaktionärer) Kern." Das passt mir zwar gewiss nicht, aber ich lasse lieber Athony Lane eine

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