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Samstag, der 02.05.2009, 14:31
Bildungswüste Deutschland

    "Erschwerend hinzu kommt, dass der Trend zur Evaluierung die Abhängigkeit schulischer Bildungsprozesse von empirisch überprüfbaren Wissensbeständen, Fähigkeiten und Kompetenzen zu Lasten jener Bildungsziele geht, die mit der derzeitigen Testmethodik nicht überprüfbar sind.

    Bildungsziele wie Menschenrechte, Demokratie, Chancengleichheit, ökologischer Umgang mit der Natur, Verantwortungsbewusstsein und Respekt vor den Rechten und Freiheiten des Individuums, die in dem allseits bewunderten finnischen Schulsystem den Ausgangspunkt für die Organisation des Unterrichts der Klassen 1-9 bilden, drohen hierzulande endgültig aus dem Blick zu geraten.
    [...]
    Angesichts der eklatanten Diskrepanz zwischen dem von der Bildungspolitik formulierten Reformanspruch und dem realen Zustand der Kindergarten- und Schullandschaft, erweist sich der von der Politik nach PISA begonnene Reformdiskurs als ein Scheindiskurs, der verdeckt, dass die Mehrheit der für die Bildung Verantwortlichen in unserem Land am Aufbau eines chancengerechteren Bildungssystems kein Interesse hat, weil sie sich vor allem den finanziell gut ausgestatteten bildungsorientierten Schichten verbunden fühlen, die das bestehende System privilegiert."

Jetzt erst entdeckt, aber das macht es nicht unaktueller - Joachim Wiener über die deutsche "Bildungsreform", die sich kläglich um die eigentlichen Probleme herummogelt:

Teil 1: Erstarrte Formen (MP3 | Text)
Teil 2: Exzellenz und Effizienz (MP3 | Text)

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Sonntag, der 26.04.2009, 14:15
Kleingeistigkeit

Heute wird ja in einem Berliner Volksentscheid entschieden, ob Ethik in der Hauptstadt weiterhin für alle verbindliches Pflichtfach bleiben soll mit der Möglichkeit, konfessionellen Religionsunterricht zusätzlich zu belegen, oder ob man sich in Zukunft zwischen diesen beiden Fächern zu entscheiden hat. Die Pro-Reli-Initiative wirbt mit dem Slogan "frei Wahl zwischen Ethik und Religion" - es stimmt übrigens nicht, dass die Initiative, wie ihre Gegner ihr immer vorwerfen, überhaupt keinen Begriff von Freiheit habe, weil die Schüler ja nach ihrem Modell zwischen den Fächern wählen müssen. Sie meinen eine ganz bestimmte Freiheit und zwar die der freien Entscheidung zur Kleingeistigkeit und Beschränkheit. Denn die in Berlin bisher wirksame Ethik-Pflicht für alle heißt ja konkret, dass die Kinder von Theisten zu dem Besuch eines Faches gezwungen werden, in dem ihre Konfession nur als Möglichkeit dargestellt wird. Solchem infamen Treiben ist natürlich Abhilfe zu leisten! Die anderen Freiheiten blieben bei dieser "freien Wahl" natürlich auf der Strecke: Da der Religions- und Ethikunterricht zur selben Zeit stattfinden würde, könnten Religionsschüler also nicht mal ins Ethikfach schnüffeln und umgekehrt. Also stecken hinter der freien Wahl wohl nur Separationsgelüste und Sektierertum - all das, was man heutzutage nicht gebrauchen kann...

Die als Argument hier vorgebrachten Vorwürfe - die natürlich erst einmal nicht mehr als Behauptungen sind - sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen: Wenn es denn stimme, dass im Berliner Ethik-Unterricht der "linke Atheismus" vorherrsche, der Religion grundsätzlich für absurd hält und das Christentum auf die Hexenverbrennung beschränkt, dann ist also die Lösung, die Kinder der konfessionellen Familien schnell auf eine einsame Insel zu retten und die "atheistischen Kinder" weiterhin einseitig über Religion zu unterrichten? Das ist also die Lösung...? Schon wieder dieses sektiererische Denken - das Menschenbild dahinter gefällt mir gar nicht! Vielleicht wären die Ressourcen der Pro-Reli-Initiative ja besser dafür aufgehoben, an der Qualität und Ausgeglichenkeit des Ethik-Unterrichts zu arbeiten - so dass alle zusammen etwas von ihm haben.

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Sonntag, der 22.03.2009, 16:35
Fernsehgeschichte!

Ja, das waren vielleicht die besten drei Fernsehminuten am Tag der offenen Schultür in Winnenden (neben ARTE - vollkommen unbeeindruckt - und Musiksendern, die mal wieder Musik sendeten):



Ich hatte dieses großartige, wahrhafte Interview, welches ich live sah und mich zum Kichern brachte, weil es all das Ekelhafte an der Medienerscheinung des Amoklaufs leichten Schrittes bloßstellte, schon fast vergessen. N-TV ist für diesen hintergründigen Schachzug - wen interessiert, dass er unbeabsichtigt war? - zu beglückwünschen.

"Wie kommt es zu solchen Situationen?"
"Das wissen wir nicht..."

Das war Fernsehgeschichte! Ich bin froh, dabei gewesen zu sein.


Weiteres Kluges von Prof. Kersten.

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Samstag, der 21.02.2009, 17:12
Tintenfizz.de oder: Ein Dummer warnt

Vorweg Nr. 1: Bitte nichts bei Tintenfizz.de bestellen! Dies ist ein unzuverlässiger Laden, wenn nicht gar mit verbrecherischen Tendenzen.
Vorweg Nr. 2: Dieser Erlebnisbericht handelt von einem grenzenlos Dummen, also mir. Ich entschuldige mich also gleich für meine Naivität, die mir im Sparwahn mein rationales Vermögen vernebelte.

Nun, die Patronen der geliebten Druckmaschine waren wieder einmal alle. Da ich grundsätzlich nichts von Nachfüllen oder Ersatzpatronen anderer Firmen halte (Grund: äußerst schlechte Erfahrungen damit gesammelt), bin ich immer auf der Suche nach dem günstigsten Anbieter für Originalpatronen. Tintenfizz.de bot sich über die Preisvergleichsseite PreisRoboter.de an - hier gab es das High-Capacity-Pack der Originale preiswert und obendrein moderate Versandkosten. Die Seite ist zwar weder vertrauenswürdig noch einladend, aber ich hab schon auf schäbigeren Internet-Hütten Bestellungen abgefeuert. Die Google-Suche nach "Tintenfizz.de" ergab zwar überraschend wenig Ergebnisse, aber auch keine Warnungen vor dem Shop. Hätte ich mir die Mühe gemacht und nach der hinter der Seite stehenden Firma Printer Express gesucht, hätte ich auch auf diese Google-Seite stoßen und wissen können, dass die Spezialität dieses Shops die Nichtauslieferung bei gleichzeitiger Einbehaltung des Geldes ist. (Die Seite Ink-vertrieb.de gehört ebenfalls zu diesem zwielichtigen Verein.) Aber ich wollte die Zeichen nicht sehen, bestellte am 04.02. und überwies auch gleich den fälligen Betrag online. Am nächsten Morgen kam schon eine zweite Mail nach der Bestellbestätigung, die mir mitteilte, dass meine Bestellung "in Bearbeitung" sei. Bearbeitet wurde diese scheinbar ziemlich lange und am 13.02. fragte ich per Mail einmal nach, wann die Bearbeitung denn endlich ein Ende finden würde. Am 16.02. wurde mir trocken mitgeteilt, dass "die Ware morgen rausgehe". Und als dann am 20. immer noch kein Postmann klingelte, wurde ich etwas entschiedener im Ton. Durch die Kritik bei Google wusste ich ja nun schon, dass ich es hier mit einem höchstwahrscheinlich betrügerischen Verein zu tun habe. Printer Express kann ja nur Geld "verdienen", wenn man wie ich auf ihre Seite reinfällt (solche Naivlinge wie mich gibt es immer). Mein einziges Druckmittel war also die Androhung der Publikmachung ihres semi-kriminellen Charakters, was ich dann auch in der Mail tat. Meine Punkte im einzelnen:

"1. Ich werde Tintenfizz.de/Printer Express beim Verbraucherschutz melden.
2. Bei Google wird sich Printer Express über eine weitere vernichtende Kritik freuen dürfen.
3. Ich werde dafür Sorge tragen, dass ihre Angebote bei diversen Preisvergleichsseiten nicht mehr auftauchen.
4. Ich werde Ihre verbrecherischen Tätigkeiten Ihrer Bank melden.
5. Ich werde auf meinem Blog vor Tintenfizz.de/Printer Express warnen."

Das zog anscheinend - ich hätte es selbst kaum geglaubt, weil ich mir das nur so aus den Fingern gesogen hatte: Jedenfalls kam keine Stunde später eine formelle Vorlagen-Mail mit der Information, meine Ware sei versendet worden. So ein Zufall aber auch. 16 Tagen hätten sie also gebraucht, meiner Bestellung nachzukommen - falls die Lieferung denn wirklich auf dem Weg zu mir war. Dessen war ich mir noch nicht sicher. Doch heute lieferte DHL tatsächlich ein kleines, unscheinbares Paket. Natürlich mit dem falschen Produkt, also nicht dem bestellten High-Capacity-Multipack, sondern nur den Patronen mit halber Kapazität - die also 20€ billiger sind. Jener Betrag also, um den sich Printer Express unrechtmäßig bereichern will. Eine richtige Rechnung kann man von diesem Chaosladen wohl auch nicht erwarten. Weder per Mail noch im Paket - in dem war nur ein lustig-spartanischer Lieferschein einer Klotz Kommunikationstechnik in Sulzbach-Rosenberg. Humor hat dieses Syndikat ja, das will ich ihm lassen! Die Taktik des Hinhaltens, Verzögerns und Halbe-Leistung-Bringens ist ebenfalls mustergültig eingeübt - nur so entmutigt man seine "Kunden" erfolgreich...

Unter diesen Umständen ist jene Lieferung wohl das Beste, was ich herauszuholen im Stande war. Jedenfalls will ich anderen diese Internet-Odyssee ersparen und warne sie hiermit vor Tintenfizz.de!

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Donnerstag, der 19.02.2009, 15:20
Die Jugend, das unbekannte Wesen...

Jugendschützer Günter fordert nun "eine europaweit einheitliche Lösung beim Jugendschutz".

So steht es auf Spiegel Online, die hart recheriert haben, um herauszufinden, dass man im Ausland (speziell beim britischem Amazon-Versandhaus) problemlos nicht jugendfreigegebene, indizierte, ja selbst beschlagnahmte Medieninhalte bestellen kann. Ganz im Sinn der neuen Galileo-Methode (ich meine die Pro7-Sendung, nicht den Wissenschaftler) wird uns mitgeteilt: "SPIEGEL ONLINE machte den Test..." Ich vermute, die Redakteure wollten eben auch einmal in den Genuss kommen, eine DVD, die von einer zwielichtigen deutschen Staatsinstitution als äußerst gefährlich eingestuft wurde, ohne Schikane zu bestellen und geliefert zu bekommen. Nicht dass dies schon seit Jahren Usus und vollkommen normale Vorgehensweise ist, den deutschen Jugendschutz zu umgehen...

Der deutsche Jugendschutz mag ja vieles sein - darunter hysterisch, radikal, aktionistisch, überreguliert, realitätsfremd, scheinheilig, reaktionär, diskurshemmend, kulturlos, protektionistisch ... eben faschistoid (obwohl all dies paradoxerweise aus der Erfahrung und Ablehnung des Faschismus erwachsen ist bzw. sein soll) - nur eben schützt er die Jugend nicht, viel eher beschneidet er die Freiheit der Kunst, die Selbstbestimmung des erwachsenen Mediennutzers und die offene Diskussion. Jugendschutz fängt eben nicht im Parlament an, sondern in der Erziehung. Eigentlich geht es weiter: Jugendschutz kann nicht im Parlament entschieden werden, er muss in der Erziehung entschieden werden. Die derzeitige Rechtslage vernebelt aber diesen Zusammenhang, indem sie vorgibt, durch oberflächliche Maßnahmen das Bewusstsein der Jugend zu ändern. Die neuen riesigen FSK-Kennzeichen auf den Frontcovern von DVDs beispielsweise helfen niemandem außer dem Gewissen der Gesetzgeber und medienkritischen Hysterie-Machern samt ihren Glaubensanhängern. Bewusster - und d.h. offener - Umgang mit Medien muss stimuliert werden. Wir brauchen keine irrationale Medienreligion, die Angst schürt, Vorurteile verbreitet und vor dem schützt, was allgegenwärtig ist. Geschlossenheit bringt keine Veränderung.

Und somit kommen wir wieder zum Anfang. Ein europäischer Jugendschutz wäre nur zu begrüßen - denn kein anderer Staat der EU würde mittragen, was Deutschland unter "Jugendschutz" versteht...

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Donnerstag, der 26.06.2008, 10:27


Yes We Can ...

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Mittwoch, der 09.04.2008, 16:10


Heute ist CSS Naked Day! Es kann schließlich nicht immer flimmern...

(Nachtrag: Jetzt ist der Feiertag auch schon wieder vorbei - hier ein Foto von der Party!)

Link(s) Offizielle CSS-Naked-Day-Seite
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Freitag, der 29.02.2008, 15:51
Die Kunst der Serie

Dass der Serienmord ein Phänomen ist, dem kann wohl niemand widersprechen. Das heißt zweierlei: (1) er ist in der Welt, er passiert und (2) er erscheint uns. Letzteres natürlich in den seltensten Fällen direkt, sondern in den allermeisten Fällen vermittelt. Und da das Mediale stets ein Kanal ist, der ein Eigenleben führt und das Objekt seiner Übertragung nicht einfach nur verdoppelt, sondern geradwegs neu erschafft, ist eine Frage nicht von der Hand zu weisen: Wie wird der Serienmord in den Medien repräsentiert, visualisiert und reflektiert? Stefan Höltgen hat zum Thema eine Tagung auf die Beine gestellt, die am 19.04.2008 an der Bonner Germanistik stattfinden wird:

"Serienmord als ästhetisches Phänomen"

Die Liste der beteiligten Wissenschaftler, Experten und Künstler sieht vielversprechend aus!

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Donnerstag, der 07.02.2008, 01:14
Mobilmachung gegen christliche Herrschaftssysteme

Falls noch nicht bekannt - Ursula von der Leyen und ihre Bande vom Familienministerium schießen nun scharf gegen ein religionskritisches Kinderbuch. Hier kann man sich den Indizierungsantrag reinziehen, er hat schon in sich eine bestimmte Komik. Ganz unabhängig von der eigentlichen Struktur des Buches - seiner Visualität und seiner Texte (es ist eben genau nicht diese Struktur, sondern isolierte Elemente, die den Indizierungswillen treiben) - geht mir diese Bevormundung von erwachsenen Eltern und ihren Kindern nun doch zu weit. Und das einzige, was die "Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit" gefährdet, das ist das Giftschränkchen, in dem alles angeblich Böse der Welt gestopft werden soll. Irgendjemand sollte dem Ministerium vielleicht einmal stecken, dass sich Bild-Lektüre schon sehr früh lernt. Wie auch immer - die Indizierung ist abzulehnen. Das kann und sollte man hier unterstützen.

Es wird einem ja ganz Angst und Bange, wenn ein Ministerium auf stereotype Weise nach Stereotypen sucht und stereotyp wie es ist, den Stereotyp auch noch ausfindig macht, andere Stereotypen hingegen nicht, z.B. ihre eigenen, die dafür herhalten müssen, andere Religionen vorzuschicken, um die christliche zu schützen, wo aber doch im Grundgesetz das Bestehen einer Staatskirche negiert wird.

Bald wird die von der Leyen ihre christlichen "Adleraugen" wohl auch noch auf Phillip Pullmans Fantasy-Trilogie His Dark Materials richten. Nun gerade flimmerte die Verfilmung des ersten Teils über die Leinwand - mehr schlecht als recht lief er, zum finanziellen Nachteil für die Produktionsfirma New Line Cinema, die sich einen nächsten Herr der Ringe erhoffte und das Projekt dementsprechend mit Geld zupumpte. Ansehen kann man das dem Film jede Sekunde. Leider hat Regisseur und Drehbuchautor Chris Weitz darauf verzichtet, den direkten Bezug des "Magisteriums" zur katholischen Kirche deutlich zu machen, abgesehen von ikonographischen Bezügen. [Vorsicht, ab nun an Spoilermienen!] In der im ersten Teil Northern Lights beschriebenen Welt kontrolliert diese allmächtige und auch unberechenbare Instanz jeglichen Aspekt des Lebens. An den Unis (im Jordan College in Oxford beginnt die Erzählung) wird ausschließlich Theologie gelehrt. Etwas ähnliches wie Physik ist die experimentelle Theologie, selbstverständlich jederzeit der Gefahr ausgesetzt, als Blasphemie & Ketzerei verboten zu werden. Autor Pullman webt vielleicht nicht gerade geschickt, aber jedenfalls evident deutlich als strukturelles Gegenmodell eine Theorie dieser experimentellen Theologie in die Anfänge der Geschichte ein: die Idee, dass im gleichen Raum, aber getrennt voneinander, unendlich viele verschiedene Welten existieren. Das ist Gotteslästerung, da es laut Kirche nur drei Welten gibt: Erde, Himmel und Hölle. Lord Asriel, Onkel der Hauptprotagonistin Lyra Belacqua, hat es sich zum unumstösslichen Ziel gemacht, die Barriere zwischen diesen Welten einzureißen. (Wie immer in medialen Erzählformen ist nicht die physikalische Möglichkeit dieses Unterfangens die Frage, sondern die Implikationen, die ein potentiell unendliches und damit chaotisches System für ein religiöses, also geschlossenes und hierarchisches System haben!) Im zweiten Buch The Subtle Knife, welches ich gerade lese (eher: verschlinge), wird die Mission Asriels klarer: Er hat sich dazu entschlossen, Gott aufzusuchen und umzubringen. Gegen das Magisterium zu kämpfen, das wäre zu einfach - er will die Quelle des Glaubens zum Versiegen bringen. Schon allein dieser unkonventionell-erfrischende Erzählstrang ist einer Empfehlung wert. Pullman schreibt fesselnde und anspielungsreiche Religionskritik-Fantasy (bemerkenswerterweiser: 1. als Jugendliteratur konzipiert, 2. schon zwei Jahre vor Rowlings Einstiegspotter). Spätestens im zweiten Teil, wenn "unsere" zeitgenössische Erde (die mit von der Leyens Bundesmagisterum) in den narrativen Rahmen tritt, wird es hoch-reflexiv.

Dies lässt sich nicht nur an der offensichtlichen Handlung nachzeichnen, sondern wird in zahlreichen Details, Ausdrucksformen und Strukturen angedeutet, die ich hier nur teilweise ausbreiten kann (und will): Die leitenden Figuren des Buches sind mir in ihrer Charakterisierung zweideutig - einmal getrieben von singulären menschlichen Emotionen und Affekten, die sie tausendfach verstärkt empfinden, entwickeln sie eine solche Willensstärke, dass sie menschliche Grenzen, Systemen und Werteordnungen überschreiten. Sie scheinen mir wie die griechischen Götter der antiken Mythen, die menschlich und übermenschlich zu gleich waren. Und nun bäumen sich diese gegen den christlichen Gott auf.

    "What is he? A friend, or an enemy?"
    "He is a murderer."
    When she saw the answer, she relaxed at once. [...] A murderer was a worthy companion.

Für eine 11-Jährige, wie sie Lyra ist, scheint mir dies eine bemerkenswerte Schlussfolgerung. Und natürlich eine außerhalb unseres Denkens. Und außerhalb christlichen Denkens sowieso.

    [...] the child Lyra Belacqua, now called Lyra Silvertongue by King Iorek Byrnison.

Lyra selbst nimmt diesen Namen sofort an und ist ab nun keine Belacqua mehr. Dieses indianisch anmutende Ritual der Umbennenung entsprechend vergangener Taten und bewiesener Talente, hier klingt ebenfalls eine gewisse allgemeine Archaik an. Diese strahlen auch die Hexenclans aus - Hexen sind in der Welt von Northern Lights ein mythisches und magisches Volk, die unabhängig vom Magisterium leben. (Sie werden von diesem allerdings nicht verfolgt oder gar verbrannt; Pullman hat ein schier unerschöpfliches Talent, althergebrachte Konzepte und Wörter neu aufzuladen und umzuschreiben. Selbst den Text des 1. Buch Mose ändert er für das Magisterium-Universum ab, reichert es an.)

    "I have travelled in the South Lands. There are churches there, believe me, that cut their children too, as the people of Bolvangar did - not in the same way, but just as horribly - they cut their sexual organs, yes, both boys and girls they cut them with knives so that they shan't feel. That is what the church does and every church is the same: control, destroy and obliterate every good feeling. So if a war comes, and the chruch is of one side of it, we must be on the other side, no matter what strange allies we find oureselves bound to."
    [...]
    Ruta Skadi spoke passiontley, and Serafina admired her power and her beauty.

Den letzten Satz habe ich nicht nur, aber auch wegen seiner "Tolkienheit" übernommen. Hier kriegt jene allerdings einen so unchristlichen Verve, find' ich. Und nach dem Ratsbeschluss der Hexen:

    And Serafina Pekkala and her twenty-one companions and Queen Ruta Skadi of Latvia prepared to fly into the new world, where no witch had ever flown before.

Mit dieser Anspielung auf Star Trek sollte klar sein, wie die Hexe fliegt. Dass es eben gerade eine Hexe ist, und nicht etwa ein Raumschiff, die diese neuen Welten erforscht - das ist feinste Ironie. Ein mythisches Wesen auf einer wissenschaftlichen Mission.


"[...] erst einmal muss ich betonen, dass ich nicht gegen Religion bin. Ich habe nur nichts übrig für Theokratie. Immer wenn in Gottes Namen Politik gemacht wird, geht das schief: Wenn Kirchen Armeen aussenden und den Gläubigen exakte Vorschriften für ihr Leben diktieren, ist das falsch." Pullman im Interview

Link(s) SZ-Artikel zum Ferkel-Buch FAZ-Artikel zum Ferkel-Buch
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Sonntag, der 25.11.2007, 23:22
Die Gladiatoren sind zurück!

Jippie, die American Gladiators (1989-1996) werden von NBC neu aufgelegt! Aber irgendetwas sagt mir, dass es einfach keinen Spaß mehr machen wird - so ganz ohne kontrastarmes Video, karge Studiokulisse und sich ernstnehmende, doch keinesfalls ernstzunehmende Gladiatoren



(...und ohne die Trash-Ohrenstä--- halt, ich meine natürlich Dresch-Ohrenstäbchen!)

Link(s) Wiki-Eintrag "American Gladiators"
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