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bekay de » flimmerWelt  
 

Dienstag, der 02.06.2009, 15:41
Harry Potter und der Halbblutprinz - Außer Atem

Kommt nur mir das so vor oder deutet sich in diesem Clip einmal mehr eine elliptische, hastige Schnittweise sondersgleichen an? (Nachdem ja schon Teil 5 regelrecht zerschnitten war, um Zeit zu raffen.) Dumbledore geht mit der Erzieherin die Treppe hoch, Schnitt (1:42), plötzlich stehen sie im Gang, obwohl sie ihren Bericht nahtlos weiterführt. Die Kamera fährt von den Beiden rückwärts weg, den Gang entlang, Schnitt (1:46), ja fast ein Jump-Cut, und dann stehen sie näher an der Kamera und weiter im Gang, vor einer Tür. Nach dem Schnitt auf den jungen Voldemort, sieht man in der nächsten Einstellung Dumbledore auf dem Bett sitzen - wie er dahin gekommen ist, wurde weder durch Bild noch Ton mitgeteilt. Von mir aus kann Godard so schneiden - hier wirkt es doch sehr dilettantisch und erregt in mir auch leichten Schwindel. Na, da bin ich ja mal gespannt auf den Film...

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Samstag, der 02.05.2009, 11:14
Im Bett mit Kirk I

(Da ich gerade wieder ein bisschen Star Trek Classic schaue...)

Ich fange mit zwei Folgen an (1x09 "What Are Little Girls Made Of?" [ ] & 1x11 "Miri"): In der einen macht Kirk 'ne Androidin an, die daraufhin mit ihrer Programmierung durcheinanderkommt, in der anderen ein jugendliches Mädchen. Der Typ kennt einfach keine Grenzen.

In "Dagger of the Mind" (1x10) besucht er mit der Psychaterin Dr. Helen Noel eine Strafkolonie, in der neue Behandlungsmethoden für Täter erprobt werden. Vor dem Herunterbeamen, als Kirk den Transporterraum betritt und Noel im kurzen Rock erblickt, kommen die obligatorischen "Abtasteinstellungen" von Classic - so, als würde nicht in jeder Folge ein heißes Häschen durchs Bild laufen, wird einmal mehr geglotzt. Dr. Noel erinnert ihn verträumt daran, wie sie sich einmal während einer Weihnachtsfeier kennengelernt haben. Kirk unterbricht sie, sich wohl bewusst, dass Spock gerade sehr hämisch schaut. (Das Spitzohr würde bestimmt sagen, das sei Faszination in seinem Gesicht, das würde ich ihm nicht glauben.) Später wird Kirk mit einem Nervenneutralisator, einem gefährlichen Gerät zur Gedankenmanipulation, eingeredet, er würde Noel abgöttisch lieben. Das kann nicht funktionieren: Er liebt das Weibliche sowieso schon und ständig abgöttisch, sei es Mensch, Außerirdische oder Maschine.

Gut, es gibt Ausnahmen von dieser Regel: In the "The Corbomite Maneuver" (1×02) scheint ihn das Bemuttern seiner persönlichen Assistentin Janice kalt zu lassen. Als die Energie auf dem Schiff ausfällt, macht sie ihm seinen Kaffee sogar mit dem Handphaser warm. Solche praktischen Fähigkeiten scheinen den Captain aber nicht besonders zu stimulieren.

"The Menagerie, Part I" (1x15): Die Rolle der Kirk anschmachtenden Frau übernimmt hier eine gewisse Miss Piper. Sie erkennt ihn sofort, als er auf die Sternenbasis herunterbeamt. Woher sie ihn denn kenne? Oh, sie stehe in Kontakt mit Lt. Helen Johannson. Kirk schaut sofort erschroken - der Blick sagt, dass es kein Deck der Enterprise gibt, auf dem er kein Schäferstündchen mit jener hatte. Warum erschreckt ihn aber, dass Miss Piper das wissen könnte? Sein Ruf als Womanizer geht schließlich schneller als sein Schiff durch die Galaxie. Vielleicht ist es einfach, weil er Miss Piper nicht mehr überraschen könnte, käme es zum Stelldichein...

Ach ja, Kirk im neuen Star Trek Film scheint ebenfalls schnell zur Sache zu kommen - Flirtaction mit Uhura.

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Sonntag, der 26.04.2009, 01:23
Peters Filme...

Ja, kennen sie Peters Filme? Ich meine natürlich die vom Jackson, vom Peter Jackson. Natürlich käme niemand auf die Idee, in einem Gespräch über die Herr der Ringe Filme von Peters Vision zu sprechen, soweit man denn den Herrn Jackson nicht persönlich kennt. Bei asiatischen Namen ist das mittlerweile Gang und Gebe. Ich will das hier nicht rügen, aber einfach mein Unbehagen darüber zum Ausdruck bringen, wie sehr wie "uns" durch die Übernahme der ostasiatischen Namensreihenfolge eigentlich verwirren. Dort schreibt man nämlich zuerst den Familiennamen, dann den Vornamen. Ich meine ja schon, bei aller Kulturoffenheit, die man zu wahren hat, dass man diese Reihenfolge bei dem Eingang in abendländische Kontexte (wie Filmposter, DVDs, Artikel etc.) in die uns bekannte ändern sollte. Stattdessen liest man über "Park Wan-Chook" (Oldboy, Lady Vengeance) & "Wong Kar-Wai" (Chungking Express, In the Mood for Love), was zur Folge hat, dass jeder so tut, die beiden persönlich zu kennen. Überall wird an den Vornamen das Genetiv-s drangeklatscht und schon redet man über "Wan-Chooks raffinierte Erzähltechnik" und "Kar-Wais neuen Film". Ich mach das auch ständig - und einmal pro Halbjahr schaue ich dann einmal genauer nach und werde mir der etwas lächerlichen Folgen dieser Sprachverwirrung bewusst. Also - in sechs Monaten sehen wir uns wieder!

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Freitag, der 24.04.2009, 14:02
Rebootmake

Als zum Remake-Phänomen gehörig kann man gewiss die derzeitige Reboot-Schwemme betrachten. Auch wenn er Begriff natürlich erst einmal vollkommen unklar ist, kann man ihn irgendwo zwischen einer Handungsfort- oder vorsetzung (Sequel/Prequel) und dem Remake anordnen. Das Remake als transparent gemachte Wiederholungsstratgie, ein schon immer vorhandendes Prinzip Hollywoods, ja der Kunst überhaupt, enthält als wichtigsten Aspekt die Variation. Alexander Gajic weist in einem interessanten epd-Artikel darauf hin, dass Reboots eine ganz gewisse Art der Variation verfolgen: Man befreit in ihnen Figuren und Geschichten von erstarrten Konventionen, man gibt dem Mythos einen menschlicheren und authentischeren Anstrich. Die sei Ausdruck für unsere "Sehnsucht nach Subjektivität und ungefilterter ­Erfahrung". Ein gewisse Paradoxie besteht natürlich darin, dass diese Sehnsucht gerade an sattsam bekannten Franchises (Batman, Bond, Star Trek etc.) umgesetzt und befriedigt wird. In jedem Fall nachdenkenswert, für Gajic sogar kritikwürdig ...

Link(s) Bibliografie zum Remake
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Dienstag, der 31.03.2009, 13:37
Einige Gedanken zu THE WIRE, Staffel 2

Hab ich schon gesagt, dass THE WIRE eigentlich ständig doppelbödig ist? WIRE (Draht, Kabel, Leitung) stellt ja schon den Bezug zum Netzbegriff und damit der Vernetzung zwischen den Folgen dar, aber auch ansonsten gibt es viele Bildmontagen und Dialoge, die das Konzept der Serie immer wieder kommentieren. Aber eben: unauffällig und unaufdringlich. Im modernen, drogenkontrollierten Baltimore findet man sogar den Dichter Homer - als schwarzen, blinden Barkeeper, der orakelnd über die Zukunft sinniert.

Die Figur wird zu Beginn der zweiten Staffel eingeführt, als alter Barkeeper in einer typischen Stammkneipe - zwar hat er Verbindungen zum und Wissen über das kriminelle System, steht aber auch seltsam entrückt darüber. Er ist eben der typische Kneiper: Mit dem man philosuffieren kann, bei dem man aber auch Rat sucht, weil er Wissen hat - schließlich hört er Dinge, die von draußen auf der Straße hereingetragen werden. Mir ist zuerst gar nicht richtig aufgefallen, dass er blind war oder eben: der Fakt erschien mir unwichtig. Seine doppelbödige Funktion wird klarer, als er sich als ein Mentor und Verbindungsmann zu einem gewissen Omar herausstellt. Er ist als homosexuelle Robin-Hood-Figur konzipiert (natürlich weitaus düsterer und egoistischer), der seit dem Mord an seinem Geliebten nach Rache sinnt (sehr sagen-haft, das). Er ist außerdem sowieso schon in die Nähe der Sagenwelt gerückt, als er in einem Raum auf eine Gerichtsverhandlung wartet, in der er als Zeuge auftreten soll, und einem Polizisten beim Kreuzworträtsel hilft.
    OMAR: Ain't workin' out for y'all, huh?
    COUNTY COP: Mars is the god of war, right?
    OMAR: Planet, too.
    COUNTY COP: I know it's a planet. But the clue is "Greek god of war."
    OMAR: Ares. Greeks called him Ares. Same dude, different name is all.
    COUNTY COP: Ares fits. Thanks.
    OMAR: It's all good. See, back in middle school and all, I used to love them myths. That stuff was deep. Truly.

Es fiel mir dann bei der letzten Folge der zweiten Staffel wie Schuppen von den Augen (eine Staffel übrigens, die entgegen der ersten so überhaupt nicht abgeschlossen ist, viel mehr loose Enden liegen lässt), als Omar und der Kneiper miteinander reden und letzterer dann plötzlich seine "Blick" im Raum hin- und herzuwenden scheint:
    OMAR: What you see, Butch?
    BUTCH: Too much, Boy. Too damn much.

Zwei Zeilen Text, in denen viel steckt: Blindheit wird nicht etwa mit Nicht-Sehen verknüpft, sondern mit einer speziellen Art des Sehens und einem tieferen Wissen über die Dinge. Diese Denkfigur lässt sich bis ins antike Griechenland (und bestimmt noch weiter) zurückverfolgen - einem Land, in dem zwei der wirkmächtigsten Erzählwerke überhaupt, ILIAS und ODYSSEE, einem blinden Dichter zugeschrieben werden. In der Sprache des Ghettos: "That stuff was deep." Die Serie gibt sich als Erbe von Erzähltraditionen zu erkennen und verbeugt sich vor den altehrwürdigen Vorfahren.

THE WIRE lädt also zur intensiven, persönlichen Exegese ein, spielt sich doch unglaublich viel zwischen den Zeilen/Szenen ab. Butchie, der Barkepper, hat in der Staffel vielleich eine Screentime von 5, allerhöchstens 10 Minuten. Äußerliche Figurenhandlungen zu beleuchten, ist nicht Sache dieser Serie: Figuren verschwinden folgenlang, tauchen dann plötzlich wieder auf, was inzwischen mit ihnen geschehen ist, muss man an den Hinweisen in ihrem aktuellen Auftritt ablesen. Nie wird etwas tot erklärt, immer besteht eine gewisse Distanz zum Geschehen. Mal sehen, ob die Serie jemals einen richtigen Flashback verwendet. Als Erzählkniff hat die Serie LOST jenen ja mittlerweile zum Stilprinzip erhoben. Aber jener verstößt eigentlich gegen das netzartige Konzept von THE WIRE. Denn dieser typische "Was in der Zwischenzeit/Vergangenheit mit dieser oder jener Figur geschehen"-Habitus (meist verbunden mit einer rätselhaften Persönlichkeit, die nach Erklärung schreit) hat systemischen Charakter, das Netz von THE WIRE ist unsystematisch. Vielleicht ist dies das Neue an der Serie...

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Mittwoch, der 25.03.2009, 18:03
Wenn Fans zu Rassenkundlern werden...

Derzeit darf man einer recht faszinierenden und mir unbegreiflichen Bewegung zuschauen, einer Protest-Bewegung von Fans, die die Casting-Entscheidungen der Realverfilmung der Zeichentrick-Serie Avatar - The last Airbender als rassistisch empfindet. Um das so kurz als möglich zu umschreiben, worum es bei den Protesten geht: es gibt in der Welt von Avatar 4 Völker oder sagen wir: Kulturkreise, die je von verschiedenen Merkmalen wirklicher Ethnien unserer Erde beeinflusst sind. Der Water Tribe beispielsweise erinnert sowohl von der Lebensweise als auch von körperlichen Merkmalen an arktische Völker. Die Fire Nation ist stark vom japanischen Kulturkreis inspiriert. Nun wurden die Hauptrollen der Serie größtenteils mit "Weißen" besetzt, was starken Unmut der Fans nach sich zog. Dieses Video fasst das Fan-Argument übersichtlich zusammen, um das sich mittlerweile auch Webseiten gruppieren. Der eigentliche Rassismus, so drängt sich mir mittlerweile auf, ist wohl bei diesen Fans zu finden - es ist einer der ganz infantilen Art. Infantil, weil sie nicht einmal bemerken, wie sie phänotypische Merkmale zu Wesenheit hochstilisieren. Meine kurze Gegenargumentation:

(1) Die fiktive Welt von Avatar ist nicht zu verwechseln mit der realen Welt. (Das scheint wohl das Hauptproblem vieler Fans.) Selbst wenn die fiktiven Elemente Parallelen zu wirklichen Elemente aufweisen, so sind sie doch nicht diese wirklichen Elemente. Ein fiktionales Erzählwerk, wie Avatar es ist, hat keine direkte Beziehung zur außerfilmischen Wirklichkeit. Ein "Water Tribe" und eine "Fire Nation" sind originäre Kategorien des Erzählwerkes, sie sind nicht - bei aller Inspiration, die sie durch die reale Welt erfahren haben - ein "Inuit-Stamm" oder "Japan". Das angeblich diskriminierende Moment der Casting-Entscheidungen gibt es gar nicht: Da die Figuren in der dargestellten Welt zu einer Ethnie sui generis gehören, ist es einerlei, ob sie nun von einem Japaner, Mongolen, Afroamerikaner oder "Kaukasier" gespielt werden. Wenn Avatar vielleicht eine pädagogische oder dokumentarische Komponente hätte, die uns über andere, reale Lebensweisen aufklären will, könnte man das vielleicht zum Thema machen...

(2) Bei allem Verständnis, die ich für Forderungen nach visuellen Ähnlichkeiten zwischen Realverfilmung einer Zeichentrickvorlage mitbringe, ist die Kaprizierung auf "äußerliche Rassenmerkmale", die einige Fans hier betreiben, nicht nur peinlich, sondern äußerst bedenklich. Wenn sich das Mädel im oben verlinkten Video anfängt, im Gesicht zu betatschen, um Unterschiede in Hautfarbe, Nasenform usf. zu unterstreichen, so fühle ich mich jedenfalls eher in ein Rassenkunde-Seminar im Dritten Reich versetzt. Das Problem ist dabei ja nicht der körperliche Unterschied an sich - der ist sowohl in der Serie selbst zwischen den Völkern, als auch zwischen dem Erscheinungsbild der Zeichentrickfigur und ihrem entsprechendem Schauspieler-Pendant vorhanden, ohne Frage. Das Problem ist die Betonung, dass dieser Unterschied von größter Bedeutung für die Darstellung einer Figur wäre. Vorlagentreue ist doch eher anderswo zu suchen: Bei den Figuren in Verhaltens- und Kleidungsmustern, Mimik und Gestik, Kampfstilen, bei den Völkern besonders in der Architektur und diversen anderen kulturellen und gesellschaftlichen Aspekten. Hier spielt sich doch das Gros des Gerechtwerdens ab, sowohl der spezifischen Besonderheit und Originalität der Serie als auch ihrer kulturellen Anspielungen auf die wirkliche Welt.

Was die Hauptfiguren angeht, dass sage ich sowohl als Fan - ja, genau - der Zeichentrickserie als auch des Regisseurs, dem die Realverfilmung anvertraut wurde: Ich will ihre Eigenart und ihr Gemüt umgesetzt wissen, nicht ihre Hautfarben, Augenabstände, Nasenformen, Hinterkopfwölbungen oder irgendwelches anderes Zeug aus der Mottenkiste der Rassentheorie...

Link(s) Cinefacts-Diskussion
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Sonntag, der 22.03.2009, 16:35
Fernsehgeschichte!

Ja, das waren vielleicht die besten drei Fernsehminuten am Tag der offenen Schultür in Winnenden (neben ARTE - vollkommen unbeeindruckt - und Musiksendern, die mal wieder Musik sendeten):



Ich hatte dieses großartige, wahrhafte Interview, welches ich live sah und mich zum Kichern brachte, weil es all das Ekelhafte an der Medienerscheinung des Amoklaufs leichten Schrittes bloßstellte, schon fast vergessen. N-TV ist für diesen hintergründigen Schachzug - wen interessiert, dass er unbeabsichtigt war? - zu beglückwünschen.

"Wie kommt es zu solchen Situationen?"
"Das wissen wir nicht..."

Das war Fernsehgeschichte! Ich bin froh, dabei gewesen zu sein.


Weiteres Kluges von Prof. Kersten.

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Montag, der 02.03.2009, 23:58
Angelina Jolie vs. Deborah Kerr

FIGHT!



DEBORAH KERR WINS!

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Donnerstag, der 26.02.2009, 20:59


Der chronologische Katalog der britischen DVD-Reihe Masters of Cinema beginnt übrigens ab Christi Geburt - das nenne ich gründlich!

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Donnerstag, der 19.02.2009, 15:20
Die Jugend, das unbekannte Wesen...

Jugendschützer Günter fordert nun "eine europaweit einheitliche Lösung beim Jugendschutz".

So steht es auf Spiegel Online, die hart recheriert haben, um herauszufinden, dass man im Ausland (speziell beim britischem Amazon-Versandhaus) problemlos nicht jugendfreigegebene, indizierte, ja selbst beschlagnahmte Medieninhalte bestellen kann. Ganz im Sinn der neuen Galileo-Methode (ich meine die Pro7-Sendung, nicht den Wissenschaftler) wird uns mitgeteilt: "SPIEGEL ONLINE machte den Test..." Ich vermute, die Redakteure wollten eben auch einmal in den Genuss kommen, eine DVD, die von einer zwielichtigen deutschen Staatsinstitution als äußerst gefährlich eingestuft wurde, ohne Schikane zu bestellen und geliefert zu bekommen. Nicht dass dies schon seit Jahren Usus und vollkommen normale Vorgehensweise ist, den deutschen Jugendschutz zu umgehen...

Der deutsche Jugendschutz mag ja vieles sein - darunter hysterisch, radikal, aktionistisch, überreguliert, realitätsfremd, scheinheilig, reaktionär, diskurshemmend, kulturlos, protektionistisch ... eben faschistoid (obwohl all dies paradoxerweise aus der Erfahrung und Ablehnung des Faschismus erwachsen ist bzw. sein soll) - nur eben schützt er die Jugend nicht, viel eher beschneidet er die Freiheit der Kunst, die Selbstbestimmung des erwachsenen Mediennutzers und die offene Diskussion. Jugendschutz fängt eben nicht im Parlament an, sondern in der Erziehung. Eigentlich geht es weiter: Jugendschutz kann nicht im Parlament entschieden werden, er muss in der Erziehung entschieden werden. Die derzeitige Rechtslage vernebelt aber diesen Zusammenhang, indem sie vorgibt, durch oberflächliche Maßnahmen das Bewusstsein der Jugend zu ändern. Die neuen riesigen FSK-Kennzeichen auf den Frontcovern von DVDs beispielsweise helfen niemandem außer dem Gewissen der Gesetzgeber und medienkritischen Hysterie-Machern samt ihren Glaubensanhängern. Bewusster - und d.h. offener - Umgang mit Medien muss stimuliert werden. Wir brauchen keine irrationale Medienreligion, die Angst schürt, Vorurteile verbreitet und vor dem schützt, was allgegenwärtig ist. Geschlossenheit bringt keine Veränderung.

Und somit kommen wir wieder zum Anfang. Ein europäischer Jugendschutz wäre nur zu begrüßen - denn kein anderer Staat der EU würde mittragen, was Deutschland unter "Jugendschutz" versteht...

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